Strategisches Einsetzen von Memen
Dokumentation der schriftlichen Diskussion am letzten Tag:
https://www.icloud.com/journal/#6;CAEQARoQyO4tZOU8xIhPQlDwNupA7Q;A37C6CD0-26AD-4231-B68A-1B28954496A5
Zunächst nannten alle Teilnehmer_innen kurz ihre Motivation bzw. ihr Interesse, an dieser Session teilzunehmen. Dies wurde auf Wunsch aller nicht protokolliert.
Allgemeine Aussagen dieser Einführungsrunde waren, dass Asexualität
- vielen Menschen zwar als Begriff bekannt ist, aber näheres Wissen darüber fehlt
- gesellschaftlich "unter den Tisch gekehrt" wird, weil es fast nie Erwähnung findet
- selbst in queeren Räumen / Zusammenhängen kein Thema ist
- kein dauerhafter Zustand sein muss, sondern mensch sich auch über längeren Zeitraum mal sexuell, mal nicht sexuell fühlen kann
Es fielen auch Begriffe wie "demisexuell" (= "halb/zum Teil sexuell begehrend") oder "grey-A" (quasi: "Graustufen der Asexualität"), die zu den Abstufungen gehören. Diese sind nachzulesen unter http://www.asex-wiki.de/index.php/Demisexuell und http://www.asexuality.org/wiki/index.php?title=Gray-A [englisch].
Es kam die Frage auf, was genau "Sex" denn überhaupt sei und wo dieser anfinge:
- gibt gewisse gesellschaftliche Vorstellung davon, die auch über Filme etc. verbreitet wird
- "gehört halt dazu" (besonders in Bezug aufs monogame Zweierbeziehungsmodell)
- leichter Körperkontakt (z. B. vertrautes Anlehnen) impliziert oft, dass es zu mehr führen kann oder gar soll
- Begriff "Begehren" ebenfalls schwer definierbar
Unsicherheiten bezüglich der Kommunikation
- was ok ist beim Sex und was nicht, da oft automatisch "A zu B zu C zu..." führt
- ab welchem Punkt eine Person nicht/nie weitermachen will und wie das erklärt werden kann
-> gibt z. B. Menschen, die gerne kuscheln und küssen, aber keinen Kontakt mit Geschlechtsorganen haben möchten
Begriff "a-romantisch" fiel: Menschen, die sich auch nicht romantisch (im Gegensatz zum "stärkeren" sexuell) zu anderen Personen hingezogen fühlen (siehe auch: http://www.asex-wiki.de/index.php/Aromantik)
Herkunft des Wortes "asexuell" wurde kurz erklärt:
- asexuell bedeutet NICHT "nicht sexuell" (manche Asexuelle können trotzdem sexuell erregt/aktiv sein), sondern "kein Geschlecht (= keine Person) sexuell begehrend"
- analog zu
o "heterosexuell = das (von sich selbst) verschiedene Geschlecht sexuell begehrend"
o "homosexuell = das (sich selbst) gleiche Geschlecht sexuell begehrend"
o bisexuell = "beide/zwei Geschlechter sexuell begehrend"
- (diese Begriffe gehen immer von einer Geschlechterbinarität aus; andere Identitäten fallen leider hinten runter)
Es folgten verschiedene Meinungsäußerungen zum Umfeld:
- geäußerte Asexualität / Selbst-Identifizierung als Asexuelle_r wird in bestimmten Umfeldern ("Bubbles") akzeptiert, beim Verlassen dieser jedoch sofort abgesprochen als etwas, das "doch gar nicht ginge / existiere"
- Sexhaben ("wer mit wem und wie vielen wie oft") sei für einige etwas, worüber sie sich identifizieren und was als "Statussymbol" gehandhabt wird
- in manchen Gruppen / Räumen kann Asexualität die eigene "default"-Anahme sein, um den eigenen Umgang miteinander zu erleichtern – dies kann aber auch falsch verstanden werden
- eigenes Umfeld lässt oft (unbedacht) sexuell konnotierte Bemerkungen fallen, weil "sexuell sein / Sex haben" einfach als Grundannahme unausgesprochen im Raum steht; Beispiele:
o "Du hast es gut, du hast ja eine_n Freund_in! Ich will auch endlich mal wieder Sex haben."
o "Wie, ihr könnt euch nicht auf einen Film einigen? Mir würden da eh gaaanz andere Sachen einfallen, wie ich Zeit mit meine_r/m Freund_in verbringe."
- Sexualität ist nur Thema, wenn es gewünscht bzw. aktiv gelebt wird; fehlendes Bewusstsein, dass mensch keinen Sex haben wollen könnte
- Asexualität als Begriff ein "Nichts" / ein "Nicht-Akt", daher schwer, über dieses "Nichts" zu reden (wenige sagen "übrigens, ich bin nicht sexuell / habe keinen Sex")
- Sexualität / sexuelles Vorgehen = Norm, anderes fällt hinten runter
Zuletzt noch mal Meinungsäußerungen zum Umgang mit Asexualität in romantischen Beziehungen:
- Aussagen wie "wenn du keinen Sex willst, hab halt keinen" sind problematisch, da "eine Beziehung mit anderen haben" automatisch Sex impliziert und keinen Sex haben zu wollen oft Beziehung scheitern lässt
- romantische Beziehungsmodelle schließen nahezu immer Sex mit ein, gibt kaum andere (sichtbare) Modelle
- dadurch oft unfreiwilliger Verzicht auf "mehr" (nämlich gesamte Beziehung), wenn Person eigentlich einfach nur keinen Sex haben will
Sessionende, es wurden noch weiterführende Informationsstellen genannt (direkt in der Session oder in Gesprächen hinterher):
- Zine (ausliegend im Leseraum, leider nicht online): "Wer A sagt muss nicht B sagen"
- dazugehörige Webseite: http://asexyqueer.blogsport.de/ (mit Terminen und vielen weiteren Infos)
- Asex-Wiki: http://www.asex-wiki.de/index.php/Hauptseite
- Asex-Forum: http://www.asexuality.org/de/
- AVEN (Asexual Visibility and Education Network): http://www.asexuality.org/home/ [englisch]
- Blogeintrag: "Bi-asexuell? Wie geht das denn?" http://www.bisexualitaet.org/bi-asexuell-wie-geht-das-denn-04092011.html
Ort: Schwingboden @gendercamp
Personenanzahl: 10-11
"Alternativen zu visuellen Awareness Tools und Barrierefreiheit"
Die Idee zur Session, über die Integration von Tools für blinde/sehbehinderte Menschen auf dem Gendercamp zu diskutieren, kam im Laufe der Veranstaltungstage durch die zahlreichen Installationen des Awareness Teams (z.B. Tafel, Infoblätter, Flipcharts, Plakate, Schilder, Duschampel, etc.). Den Wortmeldungen dieser Session zufolge wurden die Ausarbeitungen des Awareness Teams überwiegend als sehr positiv empfunden. Allerdings nimmt der_die Initiator_in dieser Session an, dass viele der Ideen und Denkanstöße des Awareness Teams auf die visuelle Fähigkeit von Menschen ausgerichtet sind, was bedeutet, dass jene Installationen zum respektvollen Umgang miteinander möglicherweise nur bei Menschen funktionieren könnten, die freien Zugang zu den eingerichteten informellen Strukturen haben. So wird vermutet, dass blinde/sehbehinderte Menschen ungewollt hierdurch ausgeschlossen werden. Diese Gedanken stießen auf breite Zustimmung innerhalb der Session.
Wir gingen der Frage nach, in wie fern es machbar ist, Tools im Rahmen unserer Möglichkeiten auszuarbeiten, um auch blinden/sehbehinderten Menschen einen geschützten Raum anzubieten, in dem sie sich einbezogen und wohl fühlen. Die Runde bestand ausschließlich aus nicht sehbehinderten Menschen.
Lösungsvorschläge für Neuerungen anhand konkreter Beispiele:
Lesecke
Die Leseecke ist mit vielen hilfreichen Infoblättern, Zines, Linksempfehlungen, Büchern, etc. ausgestattet, bietet jedoch nur sehenden Menschen ein breites Spektrum zur Weiterbildung, da in den schriftlichen Medien keine Punktschrift//Blindenschrift verwendet wird. Eine Idee hierzu war, ein Podcastprojekt zu starten, in dem Zines und Infoblätter zu verschiedenen Themen eingelesen werden. Auch auf freie-radios.net ließe sich vielleicht Infomaterial finden. Des Weiteren ist uns aufgefallen, dass der Eingang zur Leseecke sehr klein ist bzw. einen Standardtürrahmen hat. Die Anregung für das Gendercamp 2013, nach einem etwas größeren Raum zu suchen, könnte das Platzproblem lösen, sofern dies raumanzahltechnisch möglich ist.
Rückzugsraum
Der Rückzugsraum befand sich in der oberen Etage des Haupthauses, der nur über eine Wendeltreppe betreten werden kann. Gehbehinderten Menschen wird hierdurch der Zugang erschwert, womit eine Verlagerung des Rückzugsraum in die unteren Etagen als Anregung für das Gendercamp 2013 resultierte.
Computer
Die ausleihbaren Computer können als nicht barrierefrei deklariert werden, da sie nicht mit zusätzlichen Geräten für ein barrierefreies Arbeiten für blinde/sehbehinderte Menschen ausgestattet sind, z.B. sind die Bildschirme sehr klein und spezielle technische Geräte (u.a. Braillezeile*) bisher noch nicht vorhanden.
*Die Braillezeile ist ein technisches Gerät, das an eine Tastatur angeschlossen werden kann. Blinde/sehbehinderte Menschen können über diese Geräte durch die Anordnung von Stiften somit Textzeilen lesen bzw. ertasten.
Protokollierung der Sessions
Die Protokollierung der Sessions zum Nachlesen finden wir wunderbar, aber auch hier haben wir die Sorge ausgesprochen, dass blinde/sehbehinderte Menschen dadurch nicht teilnehmen können. Der Lösungsvorschlag in Form eines Podcast/Audiovisuellen Teams während der gesamten Gendercampzeit wurde in den Raum gestellt. So könnte das Podcast/Audiovisuelle Team die Protokolle akkustisch einspielen, damit sehende und blinde/nicht gut sehende Menschen auch immer up-to-date sind, was gerade auf dem Gendercamp passiert. Ein_e Teilnehmerin äußerte die Vermutung, dass dieses Problem auch durch eine barrierefreie Dokumentationsseite und einem entsprechend ausgestatten Rechner zu beheben wäre.
Sessionvorschlag für das Gendercamp 2013
Zur Sensibilisierung der sehenden Personen auf dem Gendercamp 2013 fanden wir die Idee, eine Session mit dem Titel „Wie hört sich das Internet für blinde Menschen an?” anzubieten, sehr spannend und würden dies begrüßen.
Visuelle Installationen
Ein weiteres Beispiel sind die in vielen Räumen angebrachten Plakate mit Handzeichen, deren Bedeutung jeweils daneben prägnant beschrieben wurden. Wie wir festgestellt haben, sind diese Handzeichen im Laufe des Gendercamps von den Teilnehmer_innen größtenteils adaptiert worden und sie scheinen, glücklicherweise zu wirken. Aber auch hier gehen wir davon aus, dass diese Installation bedauerlicherweise für blinde/sehbehinderte Menschen keine/kaum Relevanz hat. Hierfür haben wir aus zeitlichen Gründen und aus einer Wissenslücke heraus noch keine Lösungsvorschläge erörtern können, da zusätzliche akkustische Signale während einer Diskussion auch als störend empfunden werden können.
Überprüfung der Barrieren auf gendercamp.de und gendercamp.posterous.com
Wir haben die Frage in den Raum gestellt, ob die Webseiten gendercamp.de (bzw. mixxt.de, auf deren Plattform gendercamp.de läuft) und gendercamp.posterous.com (bzw. Posterous) überhaupt barrierefrei sind. Eine teilnehmende Person schlug vor, diese beiden Webseiten auf Barrierefreiheit zu überprüfen, da sie dies schon mal aus beruflichen Gründen gemacht hatte. Wir fanden die Idee sehr gut und freuen uns auf Rückmeldung.
Es wurde der verhältnismäßig leicht umzusetzende Vorschlag gemacht, dass weniger verschachtelte Formulierungen auf den Gendercamp Webseiten und im Forum benutzt werden sollte. Denn es wurde die Erfahrung geäußert, dass lange verschachtelte Sätze von Screenreadern* schlecht betont werden. Des Weiteren könnten leichte und verständlich aufgebaute Sätze mit wenigen exklusiven Fachbegriffen helfen, die Inhalte auf den Gendercamp Webseiten zu verstehen - dies gilt sowie für sehende Menschen als auch für blinde/sehbehinderte Menschen.
*Screenreader machen Computer für blinde Menschen zugänglich. Sie geben den Inhalt des Bildschirms an die Sprachausgabe und Braillezeile wieder.
Es kam der Vorschlag, auch im Mixxt-Forum einen Thread zum Thema Barrierefreiheit auf dem Gendercamp zu starten, um im Vorwege die unterschiedlichen Kenntnisse über Barrierefreiheit zu sammeln, aber auch, um das allgemeine Interesse zu erfassen.
Barrieren auf dem Gelände
Ein weiterer Vorschlag war, in jedem Gebäude Informationswände mit Punktschrift/Blindenschrift aufzustellen oder MP3-Player mit eingespielten Informationstexten an diesem Ort zu platzieren. Hierfür müssten spezielle Druckersysteme verwendet werden, die evtl. über Vereine oder Organisationen leihweise angefragt werden könnten.
Öffentliche Fördermittel
Eine Person erwähnte, dass es möglich sei, einen Antrag auf öffentliche Fördermittel zu stellen, um die Barrierefreiheit beim Gendercamp zu thematisieren. Auf diese Weise könnte Unterstützung von professioneller Beratungsstelle heran geholt werden. Die Chance bestünde also, über öffentliche Zuschüsse das Gendercamp tatsächlich barrierefreier (um-) gestalten zu können.
Frage zum Abschluss in der Runde:
Es wurde die Frage gestellt, ob Interesse bestünde, ein neues Team für das Gendercamp 2013 zusammen zu stellen/zusammen stellen zu lassen, das dem Orga- und Awareness Team zuarbeitet und sich um barrierefreie Angelegenheiten kümmert. Hierzu hatten sich fast alle teilnehmenden Personen gemeldet und somit bejaht. Wir waren uns darüber einig, dass die Abstimmung zu diesem Zeitpunkt noch keine Verpflichtungen bedeutete, da wir Verständnis dafür zeigten, den Aufwand und die vorhandende Zeit noch nicht einschätzen können.
Fazit:
Wir denken, dass der Mangel an Barrierefreiheit nicht schnell zu beheben ist, sondern es Zeit und vor allem fachliche Kenntnisse benötigt. Aber auch finanzielle Mittel sind notwendig, um das Umfeld zum Gendercamp so zu gestalten, dass der Begriff „Barrierefreiheit" sich nicht nur auf Rollstuhlfahrer_innen oder blinde/sehbehinderte Menschen beschränkt, sondern ein weites Feld öffnet, das unterschiedliche Wahrnehmungen von Barrieren minimiert.
Ø Welche Chancen bietet das Netz und wo liegen diese?
Ø Inwiefern ist das Netz eine Möglichkeit Freiräume zu schaffen, die in der analogen Welt nicht möglich bzw. schwieriger zu gestalten sind?
Ø Inwiefern spiegelt es Ungleichheitverhältnisse und Hierarchien der analogen Welt wider? Oder verschärfen sich die Hierarchien im Netz sogar?
Ø Wenn, welche Gegenstrategien lassen sich denken und umsetzen? Welche gibt es schon?
Im Netz werden gesellschaftliche Hierarchien reproduziert. Das Netz ist nicht losgelöst von offline Lebensrealitäten und gesellschaftlichen Strukturen, die jede_n unterschiedlich verorten.
Wie können Hierarchien aufgebrochen werden und um welche geht es ganz konkret?
Ø Finanzielle Hierarchien: Wer hat Zugang zum Rechner? Selbst wenn ein Rechner vorhanden ist, gilt die Frage, ob der Zugang zu Rechnern möglich ist. Frauen, die Opfer von sexueller_häuslicher Gewalt sind, ist der Zugang oft nicht möglich. Ein Aspekt von häuslicher Gewalt ist die Ausübung von Macht und Kontrolle über die Partner_in/ Frauen, so dass sie kaum/nicht im Netz kommunizieren können.
Ø Zeit: Wer hat die Ressourcen dafür?
Ø Repräsentation: Wer ist im Netz unterwegs, wer wird gehört und wer nicht?
Beobachtungen:
o Es sind wenig lesbische Blogs zu finden
o Sind tatsächlich mehr Männer als Frauen im Netz unterwegs? Auf der anderen Seite sind auch mehr Frauen bei Twitter zu finden. Woran liegt es, dass Männer präsenter erscheinen?
o Mehrheitlich weiße, akademische Räume
o Barrieren im Zusammenhang mit Behinderung
Ø Wissenshierarchien und Textkompetenz
o Affirmation von Normen und Bonding: Gruppendynamik und gemeinsame Wissens- und Kommunikationssprache
o Einwand/Einschränkung: In akademischen Räumen kann Textkompetenz wichtig sein, in anderen Subräumen ist dies vielleicht nicht erforderlich oder zumindest keine große Hürde für Teilnahme
Ø Unsicherheiten: „Wer sind die Anderen? Ist meine Meinung relevant?“ Im Netz spiegelt sich auch die Konditioniertheit wider (#Marginalisierung #Geschlechterrollen): „Diejenigen, die drinnen die lautesten sind, sind auch draußen die lautesten“, „Wer traut sich?“
Ø Medienkompetenz: „Diejenigen, die mitmachen wollen wissen nicht wie“: Welche Sprache? welches Medium? Unsicherheit mit Medium und Sorge: „Das Netz vergisst nichts“
Ø Machtstrukturen: Wer befindet sich innerhalb eines Kommunikationsraums?
Ø Anonymität: „Ich will teilnehmen und nicht sichtbar sein“
Ø Un_Sichtbarkeit im Zusammenhang mit DIY (Blogs, etc.): Themen, die nicht wahrgenommen werden und in denen auch viele Frauen aktiv sind. Was wird als wichtig erachtet und was nicht?
Ø Formale Machposition: Admin-Funktion als Hindernis sowie als Chance: Einerseits ist die Funktion wichtig um Räume zu schützen vor allem in feministischen Kontexten. Andererseits kann ein Admin die Autorität haben den Eintritt zu verwehren, Kommentare zu löschen/zulassen (Bsp. Diskussionskultur: Frauen in der Wikipedia)
Ø Quantität = Qualität? Wer hat wie viele Follower? Wer tweetet viel? Durch die Anzahl der Follower wird eine Hierarchie erstellt: Je mehr, desto mehr Wissen oder Glaubwürdigkeit wird der Person zugesprochen (?)
Ø Offline-Räume schaffen, um Medienkompetenz zu fördern
Ø Gleichzeitigkeiten im Internet: Hierarchien und Barrieren können gleichzeitig im Netz flacher sein. Genauso können sie das Gegenteil bewirken
Ø Marginalisierte Stimmen sind da, werden jedoch autorisiert: Dabei stellt sich die Frage: Wer kann wem eine Stimme erteilen? Dialektik ist sichtbarer und dynamischer im Netz
Quotierte und balancierte Redelisten - wie sie auf dem Gender Camp in den meisten Sessions benutzt werden- auch im Netz anlegen.
Technische Idee:
Die Maske verändern, so dass die Twitter-Timeline im Sinne einer balancierten und quotierten Redeliste die tweets wider gibt. Oben abwechselnd erscheinend also abhängig von:
Option A: Abhängig von der Anzahl der Follower der Person
Option B: von Anzahl der tweets
Wichtig: Eigenes Verhalten im Netz kritisch hinterfragen. Was für Dynamiken gibt es dort? Wissen und Reflexion auch in online Strukturen schaffen
To Do: Verabredung zum Thema: „quotierte und balancierte Redelisten für Twitter“
Moderierte Plena über IRC-Chat
1)Vorgeschichte: Wie kamen wir auf das Thema?Sonntag, 14:15 Uhr Gendercamp 2012
Dieser Inputvortrag ist vor allem eine Zusammenfassung v. Birgit
Mütherichs„Speziesismus, soziale Hierarchien und Gewalt“ basierend auf
einem Vortrag, den die Autorin auf dem Tierrechtskongress in Wien
(September 2004) gehalten hat.
Einleitung
- Als „naturgegeben“ dargestellte Hierarchien gibt es seit der Antike
- beziehen sich vor allem auf Dualitäten
- Konstruktion v. „Gut“ - „Böse“, „Natur“ - „Kultur“, „Mann“ - „Frau“,
„Schwarz“ - „Weiß“ etc.
- in den letzten Jahren Tendenz v. Emanzipatorischen Bewegungen die
Unterdrückung v. Lebewesen aufgrund der Nichtzugehörigkeit zu menschlichen
Spezies auch als Unterdrückungsstrategie anzusehen (→ Speziesismus)
Grundelemente der westlichen Kultur: Hierarchie und Herrschaft
- „naturliche“ Hierarchien als Basis
- durch Industrialisierung „Perfektion“ v. fast jeglicher Form von Ausbeutung
- nicht „natürlich“, siehe Vergleich egalitäre nicht-monotheistische
süd/ostasiatische Kulturen
Speziesismus
- „Tiere“ sind die niedrigste Stufe der Hierarchieleiter (nach Max
Horkheimer)
- nicht mal Teil des sozialen Systems, sondern materielle Ressource
- Richard D. Ryder prägte den Begriff „Speziesismus“ in den 1970-er Jahren
- Analog zu Rassismus/Sexismus beschreibt der Speziesismus in erster Linie
die ethische und moralische Ungleichbehandlung bzw. Nichtberücksichtigung
von Lebewesen auf Grund ihrer
Spezieszugehörigkeit. Aus soziologischer Sicht erfasst der Begriff den
Tatbestand der institutionalisierten und im industriellen Maßstab
realisierten systematischen Kontrolle, Unterdrückung, Ausbeutung und
Tötung von Individuen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer
bestimmten Spezies bzw. - allgemein - ihrer Nichtzugehörigkeit zur
menschlichen Spezies.
Nach Albert Memmi analog zu seiner Rassismusdefinition
1. Die nachdrückliche Betonung von tatsächlichen oder fiktiven Unterschieden
zwischen der Speziesist_in und seinem_ihrem Opfer.
2. Die Wertung dieser Unterschiede zum Nutzen der Speziesist_in und
zum Schaden seines_ihres Opfers.
3. Die Verabsolutierung dieser Unterschiede, indem diese verallgemeinert
und für endgültig erklärt werden.
4. Die Legitimierung einer - tatsächlichen oder möglichen - Aggression
oder eines - tatsächlichen oder möglichen – Privilegs.
Tier-Begriff und Mensch-Tier-Dualismus
- Tier-Begriff als biologische Kategorie besitzt Legitimität, sonst höchst
problematisch
- Tiere haben gemeinsame Merkmale wie z. B. Sinnesorgane
- Zu Tieren gehören enorm viele Lebewesen
- Jedoch werden gegenüber aller Empirie und Logik Menschen in der
gesellschaftlichen Vorstellung nicht als Tiere angesehen
- Abwertung im alltagssprachlichen Zusammenhang (Schimpfwörter,moralisch
Verwerfliche, Schmutzige, Abartige, Minderwertige z.B. „wie ein Tier“)
- Tierliche Individuen können ihre Rechte gar nicht erst verlieren, da sie
keine haben siehe z.B. Ausdrücke wie: "erschlagen wie ein Hund",
"abgestochen wie ein Schwein"
- Verschleierung d. Gewaltverhältnisses durch Begriffe wie „Ernte“ für
Tötung v. „Pelztieren“, „verenden“ statt „sterben“
Kulturgeschichtliche Hintergründe
- Beginn Domestikation v. 10000 Jahren
- aber v.a. Durch Christentum
- während im Buddhismus eher Gesamtwirklichkeit betrachtet wird, sind
monotheistische (judisch-christliche) Religionen hierarchisch
→ männlicher Schöpfergott, „natürliche“ gottgegebene Ordnung, Dualismen
- Tier als Böse, Gott-fern, Anti-menschlich
- Gott ↔ Satan, Mensch ↔ Tier, → Seelenlosigkeit, Vernunftmangel,
Determiniertheit, Triebhaftigkeit und Sterblichkeit
- Damit konnten auch alle Menschengruppen, denen Vernunftmangel,
Sittlichkeitsdefizite,
Triebleitung, und damit eine wesensmäßige "Naturnähe" zugeschrieben
wurden, als weitgehend rechtlos und als zu beherrschende Subjekte bzw.
Objekte betrachtet werden.
- Durch Idealismus seit Aufklärung Dualismen wie Geist versus Natur, Seele
versus Körper, Mensch versus Tier
- Mensch als Krone der Schöpfung
Speziesismus als (auch) menschenbezogenes Deklassierungsschema
- durch Dualismus → zivilisatorisches Erziehungsprogramm
- ähnlich Kolonialismus, Missionierung → weltanschaulich-ideologischen
Überzeugungen "nach innen" und Rechtfertigungsmustern "nach außen".
- Feindbilder, psychologische Kriegsführung
- schwarze Menschen wurden millionenfache Opfer im Namen der
"zivilisierten Welt" geführten Kampfes gegen das vermeintlich
"Naturhafte", Rückständige, Unberechenbare und Gefährliche. Ihnen
gegenüber dominierte das eurozentrische Bild vom "tierhaften, ungezügelten
‚Schwarzen'", das die weißen Kolonialherren zwischen dem 16. und 18.
Jahrhundert als ideales Propagandamittel zur Legitimation des
transatlantischen Sklavenhandels entwarfen. häufig mit
Tieren bzw. dem "Tierischen", z. B. "Äffischen" in Verbindung gebracht.
- Frauen, als naturnah, leichtfertig, zügellos, unmoralisch, sündhaft
- Analogien: Jagd, Beute, „Luder“, tierbezogene Kosenamen („Häschen“,
„Mieze“ etc.)
→ metaphorische Instrumentalisierung und Demonstration von Überlegenheit.
- dualistischen Zuordnungen Geist = Mann = Subjekt versus Materie = Frau =
Objekt entspricht auch der geschlechterbezogene Gegensatz aktiv versus
passiv. Männer als Jäger, Frauen als Fleisch
Zusammenfassung
- „Natürlichkeits“argumente sollten zumindest als stark problematisch
angesehen werden
- Die Verflechtungen dieser Unterdrückungsmechanismen sind noch nicht so
sehr untersucht und bieten eine gute Möglichkeit Diskriminierugnsformen in
einen Kontext zu setzen und die Befreiung aller Lebewesen voranzutreiben.